ASTRA Direkt Dezember 2007



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Ausgabe 04/2007

Verschlüsselung

Interview: "Adressierung ist immer schon ein Ziel der Digitalisierung gewesen"; Premiere künftig auch über die entavio-Plattform; HUMAX mit zweitem Receiver für entavio.

 

Interview des DIGITAL INSIDER mit Professor Dr. Jo Groebel, Direktor des Deutschen Digital Instituts. Das Institut untersucht die wirtschaftliche und kulturelle Wirkung der Digitalisierungsentwicklung.

 

DIGITAL INSIDER: Herr Professor Groebel, der deutsche Fernsehmarkt ist in diesen Tagen kräftig in Bewegung. Im Wesentlichen geht es dabei um die Verschlüsselung und die Adressierbarkeit von Inhalten. Wie bewerten Sie als Digitalexperte diese Entwicklung? Welche Auswirkungen sind spürbar?

 

Groebel: Sie haben recht, der Markt ist derzeit unglaublich in Bewegung, auch wenn die Industrie die Auswirkungen noch nicht überall positiv spüren mag. Wir stellen fest, dass durch die Plattformergänzungen von Premiere und Arena über Satellit ein weiterer Effekt deutlich wird, der weit über Synergien für bezahlte Dienste hinausgeht: Bezahlfernsehen scheint im Bewusstsein der Zuschauer salonfähig geworden zu sein. Jedenfalls ist bei Befragungen spürbar, dass Verschlüsselung für sehr viele doch ein positives Qualitätskriterium ist.

 

    

 

DIGITAL INSIDER: Heißt das, dass in Ihren Augen die deutsche Fernsehzukunft eher Pay-TV-bestimmt sein wird?

 

Groebel: Sagen wir mal so: Bestimmte Premium-Inhalte können sich nur über den Bezahlfernsehmarkt in Deutschland durchsetzen. Hierbei denke ich nicht nur an aktuelle Kinofilme oder Sport, sondern auch an den Fernsehstandard des hoch auflösenden Fernsehens HDTV, neue interaktive Möglichkeiten oder die Adressierbarkeit von diversen Angeboten. Schon deshalb, weil sich die internationale Szene in diese Richtung entwickelt hat. Ob Polen, Spanien oder Frankreich: Die Basis wird eine verschlüsselte Plattform bilden, auf der selbstverständlich auch – wenn es die Sender wünschen – weiterhin frei empfangbare Angebote stattfinden können.

 

DIGITAL INSIDER: Das wäre dann eine Grundverschlüsselung über Satellit?

 

Groebel: Aber ja, und das ist auch nichts Verwerfliches. Satellit und Kabel müssen hier gleichziehen können. Über Kabel gibt es diese Grundverschlüsselung schon seit Jahren. Da stört auch niemanden, dass die Kundendaten bei den Kabelnetzbetreibern liegen. Grundverschlüsselung hat zudem positive Nebenwirkungen: Die immer wichtigere Rechtevergabe ist damit gelöst, denn nicht adressierbare Inhalte werden auf dem internationalen Markt immer schwerer zu erhalten sein. Denken Sie an illegale Downloads, denken Sie an die Refinanzierbarkeit großer Produktionen. Denken Sie auch mal an die öffentlich-rechtlichen Sender, die keine Kontrolleure der sehr umstrittenen und nicht wirklich effektiven GEZ mehr brauchen, weil man an jeden Rundfunkteilnehmer eine Karte für ARD und ZDF ausgeben kann. Eine enorme Ersparnis für alle Seiten. Und ARD und ZDF bleiben trotzdem Free-TV, da die Karte für jeden Rundfunkteilnehmer freigeschaltet wird. Auch für Sozialfälle wird es Gratis-Lösungen geben. Andere Sender können innerhalb der Plattform selbstverständlich ebenfalls Free-TV anbieten. Ob das dann entavio, Premiere, Arena oder einen anderen Namen tragen wird, ist doch für den Zuschauer letztlich zweitrangig.

 

DIGITAL INSIDER: Das Wort Verschlüsselung ist aber innerhalb der Politik immer noch ein Reizwort und bei Verbraucherschutzverbänden macht das Wort vom gläsernen Zuschauer die Runde.

 

Groebel: Ja ja, der gläserne Mensch (lacht). Der wird an jedem Stammtisch beim Thema Digitalisierung hervorgeholt. Verschlüsselung ist von vornherein ein sehr unglücklicher Begriff. Er klingt nach Ausschluss, nach Einschränkung; dabei steht der technische Vorgang für das genaue Gegenteil: mehr Möglichkeiten, viel größere, individuelle Wahlfreiheit. Im Übrigen haben wir den gläsernen Konsumenten längst, und das stört uns bei Strom- und Wasserverbrauch auch überhaupt nicht. Wir alle, inklusive der Politiker und Datenschützer, haben nichts dagegen, uns adressierbar zu machen, wenn wir die Payback-Karte im Supermarkt abgeben. Das ist ja auch in Ordnung, wenn der Kunde dies als gelungenes Vergütungsmodell seiner Treue begreift. Den Vorteil deutlich machen – das allerdings muss jetzt auch über die nächsten Jahre durch die Sender sehr viel deutlicher passieren. Dann hat auch kein Zuschauer etwas dagegen, wenn man sein Fernsehen oder neue Dienste gezielter angeboten bekommt. Das geht ja weit über das bisherige TV-Verhalten der Menschen hinaus. Im Gegenteil: Wir hinterlassen bei Interesse an einem Produkt doch gerade zum Beispiel unsere Mail-Adressen in Newslettern, damit wir zielgerichtet über das informiert werden, was uns gerade interessiert. Nicht anders läuft das künftig beim Fernsehen.

 

DIGITAL INSIDER: Adressierbarkeit ist also etwas Fortschrittliches? Grundsätzlich etwas Gutes?

 

Groebel: Klar, Adressierbarkeit ist wichtig und immer ein Ziel der Digitalisierung gewesen, damit der Zuschauer seine Informationen, seine TV-Sendungen, sein Radio und seine interaktiven Dienste bekommt, sofern er dies wünscht. Die neue Medienlandschaft ist dann eine Kombination aus Maß- und Massenkommunikation. Der Zuschauer kann zum Beispiel seine persönliche Werbung bekommen und unerwünschte Werbebotschaften ausblenden.

 

DIGITAL INSIDER: Ja, aber will der Zuschauer für diesen Service auch etwas bezahlen?

 

Groebel: Es ist immer eine Frage der Einbettung, man kann auch sagen von Bezahlsozialisation. Im Mobilsektor zahlen wir klaglos fast alles. Nur Fernsehen war scheinbar größtenteils frei. Stimmt aber gar nicht: Da sind die nicht unerheblichen Rundfunkgebühren und die indirekte Finanzierung durch höhere Produktpreise, über welche wir die Werbung mitbezahlen. Wenn man mir natürlich ein Mikrofon in der Fußgängerzone unter die Nase hält und spontan fragt: Wollen Sie für Ihr heutiges Fernseherlebnis 3,50 Euro mehr im Monat bezahlen, sage ich: „Nein.“ Das ist verständlich, zumal der Mehrwert bislang zu abstrakt geblieben ist. Wenn die Fernsehsender aber einen attraktiven Nutzwert in den nächsten Monaten oder Jahren anbieten, sieht die Welt schon anders aus. Derzeit bereiten wir hierzu gerade eine Studie vor, wie viel die Zuschauer künftig bereit sind, für welche Inhalte Geld auszugeben.

 

DIGITAL INSIDER: Die Studie würde uns interessieren. Die Preisgrenzen gehen gerade nach oben, oder?

 

Groebel: Sehr richtig, einige Fernsehsender verzeichnen nach wie vor ein Millioneninteresse trotz der Tatsache zum Teil durchaus hoher Call-in-Kosten, ein einziger Anruf schlägt mit 49 Cent, zum Teil inzwischen 50 Cent zu Buche. So viel übrigens zur Sparsamkeit der Konsumenten.

 

DIGITAL INSIDER: Noch machen die Zuschauer über das herkömmliche Telefon mit. Glauben Sie, dass dies in Zukunft nur noch über Blucom, also die interaktive Möglichkeit des Mitmachens über einen Handybrowser, geschehen wird?

 

Groebel: Davon ist auszugehen, wenngleich wir hierzu noch keine Erhebungen vorweisen können. Das Interesse des Zuschauers an der neuen Technologie lässt sich aber deutlich ablesen. Zudem spielt noch eine Rolle, dass nahezu jeder über die Hardware, ein Blucom-taugliches Handy, schon heute verfügt. Die Schwelle, diese neue Technologie zu nutzen, dürfte somit sehr niedrig sein. Das ist bei vielen neuen Technologien eine Eintrittsbarriere, die es bei Blucom nicht mehr gibt. Insofern gehen unsere Prognosen dahin, dass Blucom sich sogar sehr schnell durchsetzen wird. Aber auch diese Studien sind noch nicht vollends abgeschlossen.

 

DIGITAL INSIDER: Herr Professor Groebel, vielen Dank für das interessante Gespräch.

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung des DIGITAL INSIDER, Auerbach Verlag Leipzig.

 

Premiere künftig auch über entavio-Plattform

 

Premiere verbreitet sein komplettes Programmangebot ab 1. September 2007 auch über entavio, die neue digitale Satelliten- plattform von SES ASTRA. Darauf haben sich Premiere und SES ASTRA verständigt. Premiere erwartet von entavio einen weiteren Impuls für die Digitalisierung des Fernsehens in Deutschland, eine dynamische Entwicklung im Bereich der adressierbaren Digital- receiver und zusätzliche technische Reichweite für den unkomplizierten Empfang von Premiere-Programmen. Alle entavio-tauglichen Receiver werden in der Lage sein, Premiere-Programme zu empfangen und zu entschlüsseln. Künftige entavio-Kunden, die neben dem entavio-Receiver auch eine entavio-Smartcard besitzen, können sich das komplette Angebot von Premiere mit einem einfachen Telefonanruf freischalten lassen. Dr. Georg Kofler, Vorstandsvorsitzender der Premiere AG, sagte: "Die Vereinbarung mit SES ASTRA bringt Premiere in die Pole Position beim Start der neuen entavio-Satellitenplattform. Die Premiere-Programme werden gerade in der Anfangsphase von entavio eines der Zugpferde sein. Umgekehrt erwartet Premiere, dass die Promotion

     

 

 

der entavio-Plattform durch SES ASTRA und andere TV-Anbieter auch die Reichweite von Premiere erhöht. Durch die Verbreitung über entavio wird der Premiere-Empfang über Satellit wieder ein gutes Stück einfacher und selbstverständlicher. Die Digitalisierung des TV-Empfangs in Deutschland bekommt eine neue Qualität: Ziel ist es, den Marktanteil von Digitalreceivern für Abo-Fernsehen deutlich auszubauen. Wir rechnen damit, dass bereits 2008 die Zahl der verkauften digitalen Satellitenreceiver, über die Premiere empfangen werden kann, doppelt so hoch liegen wird wie 2007. Die Zukunft gehört modernen, adressierbaren Receivern mit Smartcard." Für heutige Premiere-Abonnenten ändert sich durch die Vereinbarung mit SES ASTRA nichts. Auch andere Besitzer oder Käufer von Digitalreceivern mit der Bezeichnung "Geeignet für Premiere" können sicher sein, alle über entavio verbreiteten Programme empfangen zu können. Zu diesem Zweck hat Premiere den Zugang anderer Programmanbieter via entavio auf Premiere-geeignete Receiver weiter vereinfacht. Kofler: "Für alle Verbraucher ist das ein klares Signal: Digitalreceiver mit dem Siegel 'Geeignet für Premiere' oder 'Geeignet für entavio' sind die richtige Wahl, wenn man sich für eine zukunftssichere Empfangslösung interessiert. Bei diesen Receiver-Typen ist garantiert, das umfangreiche TV-Angebot via Satellit – Free-TV, Premiere und andere Pay-TV-Angebote – auch künftig ohne Einschränkung genießen zu können." Gleichzeitig können alle Pay-TV-Kanäle, die künftig eine Kooperation mit entavio eingehen, auf die 2,5 Millionen vorhandenen Kunden mit Premiere-tauglichen Satellitenboxen zurückgreifen. Das ist für Pay-TV-Sender interessant, die auf einen einheitlichen Standard angewiesen sind. 

 

HUMAX mit zweitem Receiver für die Plattform entavio

 

Der Digitalspezialist HUMAX entwickelt mit dem BLU-FOX CI einen zweiten zukunftssicheren Receiver für die neutrale Programm-Plattform entavio. Der BLU-FOX CI bietet den Zuschauern neben der bereits integrierten interaktiven Technologie Blucom und dem ebenfalls integrierten Verschlüsselungssystem Nagravision einen zusätzlichen wichtigen Vorteil: Dank einer freien Common Interface-Schnittstelle (CI) können neben der entavio-Plattform alle anderen verschlüsselten Angebote auf Wunsch flexibel und einfach mit nur einem Receiver genutzt werden. Mit der integrierten CI-Schnittstelle wählt HUMAX die für den Verbraucher kostengünstigste Lösung, um alle Inhalteanbieter mit nur einem Receiver empfangen zu können. Auf die feste Integration aller Conditional Access-Systeme (CA) in einem Gerät (Multicrypt) hat HUMAX bewusst verzichtet: "Das macht das Gerät für die Verbraucher nur unnötig teuer und für die Hersteller kompliziert in der Produktion. Das CI ist flexibler und günstiger. Der Kunde entscheidet selbst, welche Verschlüsselungssysteme er im Receiver nachrüstet", sagte Franz Simais, Geschäftsführer der HUMAX Digital GmbH. Damit bekennt sich das Unternehmen HUMAX zu dem nach DVB normierten CI-Standard. Die Zuschauer können dank CI selbst entscheiden, welche Pay-TV-Dienste sie neben der entavio-Plattfom zusätzlich nutzen. Der Konsument rüstet dazu einfach den Receiver mit dem CA-System durch ein passendes Modul aus. So ist für den Zuschauer gewährleistet, dass er alle Angebote mit nur einem Receiver empfangen kann. Auch für Programmanbieter sind flexible und kostengünstige Lösungen von Vorteil, um ihre Produkte gut vermarkten zu können. Kleinere Sender können sich völlig frei für ein optimales Verschlüsselungssystem entscheiden und müssen potenzielle Zuschauer nicht von einem kostspieligen Receiver-Neukauf überzeugen, wenn der vorhandene Receiver über einen CI-Schacht verfügt.

 




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