ASTRA Direkt Dezember 2007



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Ausgabe 12/2007

HDTV

Im kommenden Jahr wird eine ganze Reihe von Programmveranstaltern ihren HDTV-Betrieb aufnehmen. Deutschland hinkt dabei aber weiter hinter den europäischen Nachbarn hinterher.

 

Szenario in Deutschland

 

Der europäische Kulturkanal arte (www.arte.de) will Mitte nächsten Jahres eine hochauflösende Variante seines Programms für Satellitenhaushalte in Deutschland starten. arte-Präsident Gottfried Langenstein betonte bei der Bekanntgabe die hohe Bedeutung, die die neue TV-Technologie für die Weiterentwicklung von arte habe. Die Programmgenres, die arte zeigen wolle, würden enorm von der hohen Auflösung profitieren. Dazu gehörten Theaterstücke und Opern, aber auch Fiktionales, Dokumentationen und wissenschaftliche Sendungen. Auf ARD-Ebene ist die Einführung des hochauflösenden Standards erst für 2010 vorgesehen. Ausführlich getestet hat der WDR HDTV schon während der IFA 2007, als er rund 100 Stunden lang EinsFestival testweise in HDTV gesendet hat. Das ZDF beabsichtigt ebenfalls, erst zu den Olympischen Winterspielen 2010 zu starten. Zwei HDTV-Kanäle sendet der Abo-TV-Veranstalter Premiere (www.premiere.de/hdtv). Die Satellitenplattform Premiere Star will in Zukunft auch ein verschlüsseltes HDTV-Angebot aufbauen und zu einer Plattform für HD-Kanäle werden. "HDTV ist ein großes Thema bei uns", sagte Premiere Star-Geschäftsführer Wolfram Winter laut dem Magazin "HD+TV" (www.premiere.de). Im frei empfangbaren Bereich senden Anixe HD (www.anixehd.tv) und Sat.1 HD und Pro Sieben HD in HD-Qualität. Auch der paneuropäische Sportkanal Eurosport will sobald wie möglich ein HDTV-Programm auf die Beine stellen – eventuell auch als Abonnentenmodell. Hierzu sei man in intensiven Gesprächen mit Plattformbetreibern, berichtet der Onlinedienst des Magazins "HD+TV". "Wir sind uns bewusst, dass Sport ein grundsätzlicher Treiber der Umrüstung auf HDTV werden kann und wird", sagte ein Eurosport-Sprecher. Geplant sei ein HD-Kanal als Premium-Produkt (www.eurosport.de).

 

Szenario in Europa

 

Aber andere europäische Länder sind deutlich weiter: Die Dachgesellschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Schweiz, die SRG SSR idée suisse, ist bereits seit 3. Dezember 2007 mit "HD Suisse" in HDTV präsent (www.hdsuisse.sf.tv). Der Österreichische Rundfunk will 2008 mit HDTV starten und ORF1 parallel zur Standardauflösung in der neuen TV-Technologie übertragen (www.orf.at). Beide Sender haben dabei ein klares Ziel vor Augen: Die Fußball-EM soll in HDTV das heimische Publikum erreichen. Grünes Licht für HD erhielt auch die britische BBC (www.bbc.co.uk/hd). Seit Mai 2006 veranstaltet der öffentlich-rechtliche Sender via Satellit bereits einen Testkanal, bestehend aus Serien, Dokumentationen und Sportübertragungen, der seit 1. Dezember 2007 als reguläres Angebot betrieben wird.

Private Programmveranstalter im europäischen Ausland sind ebenfalls in Sachen HD aktiv. Der niederländische Pay-TV-Anbieter CanalDigitaal (www.canaldigitaal.nl) schloss unlängst einen Vertrag über zwei zusätzliche Transponder auf ASTRA 23,5 Grad Ost. Die Kapazitätserweiterung trägt unter anderem dazu bei, ein neues Programmpaket mit verschiedenen Spartenkanälen, darunter auch eine Vielzahl an HD-Diensten, anzubieten. Der französische Spartenkanal 13ème Rue (NBC Universal) startete am 12. November 2007 einen Ableger in HDTV. 13ème Rue HD (www.13emerue.fr) zeigt Spielfilme, Serien, Dokumentationen und Magazine. Der TV-Veranstalter MTV Networks International will im nächsten Jahr einen paneuropäischen Fernsehkanal in HDTV starten. In hoch auflösender Qualität sind die Übertragung von Veranstaltungen, Kinderprogrammen und eingekauften Drittproduktionen geplant. In den USA betreibt das Unternehmen bereits seit Januar 2006 einen HDTV-Kanal (www.mhd.tv). Der Privatsender Channel 4 (www.channel4.com/hdtv) aus England kündigt ebenfalls HD an. Noch in diesem Jahr soll das 24-Stunden-Vollprogramm über die Sky-HD-Plattform starten. Im Frühling 2008 will der britische Privatsender ITV (www.itv.com/hd) folgen. Ebenfalls sehr aktiv: der US-Fernsehkanal Voom HD (www.voom.tv). Er treibt seine HDTV-Verbreitung in Europa voran. Das Programm ist bereits in Schweden, Dänemark, Norwegen, Finnland, Estland und Lettland zu empfangen. Weitere Länder sollen jetzt folgen. Voom HD bietet eine Mischung der 15 von seiner Betreibergesellschaft Rainbow Media in den USA veranstalteten HDTV-Kanäle. Abgedeckt werden Themenbereiche wie Natur, Reisen, Sport, Mode, Kunst und Musik.

 

HDTV gibt CE-Industrie Aufwind

 

HD-taugliche Geräte aus dem Bereich der Consumer Electronics sind heute Standard. HDTV-geeignete Fernsehgeräte werden nach Einschätzung des Verbands der Unterhaltungselektronikhersteller gfu in diesem Jahr der wichtigste Wachstumsmotor der Unterhaltungselektronik sein. Die Konsumenten entscheiden sich einerseits für höherwertige, zukunftssicher ausgestattete Fernsehgeräte und andererseits für Geräte mit größeren Bildschirmdiagonalen, so die gfu in einer Meldung vom 15. November 2007. HDTV-taugliche Fernsehgeräte, erkennbar am Qualitäts-Signet "HD ready" und "HD ready 1080p" (Full HD) dominieren mit rund 80 Prozent des Umsatzes bei den Flat-TVs. Insgesamt werden 3,8 Millionen "HD ready"-Geräte in diesem Jahr verkauft, davon 0,3 Millionen "HD ready 1080p" (Full HD). Bei Full HD kann der Verbraucher gegenüber HD etwa auf die doppelte Auflösung (1.920 mal 1.080 Bildpunkte) zählen. Insbesondere auf großen Bildschirmdiagonalen ist der Unterschied bemerkbar. Im Weihnachtsgeschäft wird etwa jedes zehnte verkaufte Flachbildgerät ein "HD ready 1080p"-Modell sein (www.gfu.de).

 

Appelle

 

Wird bei HDTV etwas in Deutschland verschlafen? Was nützt die zunehmende Akzeptanz der HDTV-Geräte, wenn es an den entsprechenden TV-Inhalten fehlt? So wundert es nicht, dass Industrie und Politik sich mit fordernden Appellen an die öffentlich-rechtlichen Programmveranstalter wenden. ARD und ZDF planen den offiziellen HDTV-Einstieg erst zu den Olympischen Winterspielen in Vancouver im Jahr 2010, obwohl erste Tests mit großem Erfolg über ASTRA ausgestrahlt wurden. Denn, und da sind sich Medienexperten einig, der große Schub für HDTV wird von den öffentlich-rechtlichen Programmanbietern ausgehen – und eigentlich scheint das kommende Jahr mit dem Mediengroßereignis Fußball-EM geradezu prädestiniert für eine attraktive HDTV-Präsenz.

 

16:9 Breitbildformat holt auf

 

Das ZDF hat sein komplettes Programm auf das aus dem Kino bekannte 16:9-Format umgestellt, eine Vorstufe zur Einführung des HDTV-Standards. Damit ist das ZDF der erste deutsche TV-Sender, der vollständig im Breitbildformat sendet. Im Januar 2008 wird das WDR-Fernsehen folgen und auch der Ereignis- und Dokumentationskanal Phoenix wird auf das neue Bildseitenverhältnis umstellen. ProSieben plant ebenfalls eine komplette Umstellung seines Programms auf das neue Breitbildformat. Mittelfristig werden alle Sendungen in der sehfreundlicheren Darstellungsform produziert und ausgestrahlt, bis 2009 soll die komplette Umstellung erfolgt sein, so ProSieben-Geschäftsführer Andreas Bartl. Auch RTL II wird ausgewählte Spielfilme und Serien künftig im Breitbildformat zeigen und begann bereits im Oktober 2007 mit der ersten Ausstrahlung.

 

"Pocket Guide HDTV" erschienen

 

Die Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (gfu) hat zusammen mit weiteren Verbänden einen Einkaufsführer rund ums hoch auflösende Fernsehen (HDTV) für Endverbraucher und Fachhandel erstellt. Der "Pocket Guide HDTV" informiert über Technik, Daten und Begriffe und gibt Praxis-Tipps. Der Fachhandel erhält ein Muster der 16-seitigen Broschüre über die Ausgabe Dezember 2007 der Zeitschrift "hitec Handel". Zusätzlich steht die Publikation auf den Webseiten der Partner gfu, Bundesverband Technik des Einzelhandels, Deutsche TV-Plattform und Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie kostenfrei zum Herunterladen bereit. Fachhändler können den "Pocket Guide" zudem zur Verteilung an ihre Kunden beim Verlag mit oder ohne Händlereindruck bestellen (S.O.K. Verlagsgesellschaft mbH, Telefax 02151/15256-29, E-Mail info@sok-verlag.de) (www.gfu.de).

 

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